Zwei Männer analysieren Zahlen

Interessante Fakten zum Privatkredit im Corona-Jahr 2020

  • 09.03.2021
  • Ben M.
  • Lesedauer: 5 min.

2020 war ein turbulentes, wenn nicht gar geschichtsträchtiges Jahr: Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Massnahmen dominierten viele Aspekte unseres Lebens. Doch wie haben sich Lockdown & Co. auf das Schweizer Privatkreditwesen ausgewirkt? Wir haben recherchiert – und dabei ein paar äusserst spannende Erkenntnisse gewonnen.

Privatkredite dienen (wie der Name schon verrät) der Finanzierung von privatem Konsum. Aber wer macht mehr Gebrauch davon: Männer oder Frauen? Aus welchem Kanton kommen die höchsten Kreditanfragen? Und hat Corona dabei wirklich eine so grosse Rolle gespielt?

Solche Fragen beschäftigen viele, die einen Privatkredit haben respektive sich für einen interessieren. Aus diesem Grund haben wir bei unseren Kreditspezialisten mal angeklopft und gefragt, ob sie uns dazu ein paar interessante Fakten liefern können. Das haben sie auch getan – mit folgenden Resultaten:

Kreditanfragen 2020: Gesamtschweiz

  • Im schweizerischen Gesamtschnitt wurde eine Kreditsumme von 31‘593 CHF beantragt.
  • Die meisten Kreditanfragen kamen aus dem Kanton Zürich (18.0 % aller Kreditanfragen in der Schweiz), Kanton Bern (11.6 % aller Kreditanfragen in der Schweiz) und Kanton Aargau (9.3 % aller Kreditanfragen in der Schweiz).
  • Die durchschnittlich höchsten Kreditsummen wurden im Kanton Zug (37‘461 CHF), Kanton Zürich (35‘110 CHF) und Kanton Basel-Stadt (33‘339 CHF) angefragt.
  • Die durchschnittlich tiefsten Kreditsummen sind aus dem Kanton Uri (25‘091 CHF), Kanton Jura (CHF 28‘132 CHF) und Kanton Wallis (28‘404 CHF).

So ordnen wir es ein

Im gesamtschweizerischen Vergleich tauchen noch keine Überraschungen auf: Da die Kantone Zürich, Bern und Aargau zu den bevölkerungsreichsten zählen, wurden dort erwartungsgemäss auch die meisten Kreditanträge gestellt.

Ebenso logisch erklärbar sind die höchsten durchschnittlichen Kreditsummen aus Zug, Zürich und Basel-Stadt – sie zählen seit Jahren zu den Kantonen mit dem höchsten Bruttoinlandprodukt pro Kopf (also erbrachte Wirtschaftsleistung pro Person). Aus diesem Grund sind die Einwohner dieser Kantone auch eher in der Lage, höhere Kredite zu beantragen.

Selbiges Prinzip gilt im Umkehrschluss vor allem für Uri und Wallis, die zu den Kantonen mit dem geringsten BIP pro Kopf zählen – was sich direkt in der Höhe der durchschnittlichen Kreditsumme widerspiegelt.

Kreditanfragen 2020: Unterschiede Mann/Frau

Unterschiede Mann/Frau allgemein

  • Das Durchschnittsalter der Kreditanfragenden lag sowohl bei Männern als auch bei Frauen bei knapp 37 Jahren.
  • Von allen Kreditanfragen wurden 83.0 % von Männern gestellt, 17.0 % von Frauen.
  • Männer beantragten mit durchschnittlich 32‘827 CHF eine 28,34 % höhere Kreditsumme als Frauen mit 25‘578 CHF.

Unterschiede Mann/Frau geografisch

  • Die durchschnittlich höchsten Kreditsummen von Männern kamen aus dem Kanton Zug (40‘057 CHF), Kanton Zürich (36‘869 CHF) und Kanton Appenzell Innerrhoden (35‘089 CHF).
  • Die durchschnittlich tiefsten Kreditsummen von Männern kamen aus dem Kanton Uri (25‘412 CHF), Kanton Jura (27‘989 CHF) und Kanton Wallis (29‘636 CHF).
  • Die durchschnittliche höchsten Kreditsummen von Frauen kamen aus dem Kanton Glarus (31‘877 CHF), Kanton Basel-Stadt (29‘583 CHF) und Kanton Zug (28‘880 CHF).
  • Die durchschnittliche tiefsten Kreditsummen von Frauen kamen aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden (17‘138), Kanton Uri (19‘697 CHF) und Kanton Neuenburg (21‘521 CHF).

Unterschiede Mann/Frau: speziell erwähnenswert

  • Glarus ist der einzige Kanton, in dem die durchschnittliche Kreditsumme von Frauen (31‘887 CHF) höher ist als die von Männern (29‘899 CHF).
  • Die grösste Mann-Frau-Spannweite ist im Kanton Appenzell Innerrhoden zu finden: Bei den Frauen ist er der Kanton mit der tiefsten Kreditsumme, bei Männern jedoch der Kanton mit der dritthöchsten Kreditsumme.
  • Nach Postleitzahl unterteilt kamen aus nur 57 Orten/Bezirken (von insgesamt 3‘032, aus denen Kreditanfragen gestellt wurden) mehr Kreditanfragen von Frauen als von Männern, was 1,9 % entspricht (in der Schweiz gibt es 4‘405 Postleitzahlen).
  • Im Vergleich zur Schweiz ist das Fürstentum Liechtenstein extrem zurückhaltend bei Kreditanfragen: Die durchschnittlich angefragte Kreditsumme liegt hier bei lediglich 18‘422 CHF – und im gesamten Jahr 2020 wurde keine einzige Kreditanfrage von einer Frau gestellt.

So ordnen wir es ein

Der Schweizer Privatkredit ist offenkundig nach wie vor eine männerdominierte Sache – die Unterschiede bei der Anzahl der Kreditanfragen wie auch bei der Kreditsumme sind bemerkenswert. 

Zumindest ein Stück weit lässt sich aber auch dieses Phänomen anhand einer gesellschaftlichen Gegebenheit erklären: Aufgrund der Geschlechter-Lohnschere haben Frauen tendenziell nicht die gleichen Möglichkeiten, einen Privatkredit zu beantragen, da sie oftmals weniger verdienen. Dies hat natürlich direkte Auswirkungen auf die Bonität, weswegen die Anfragen wie auch die angefragten Summen bei Frauen deutlich tiefer sind.

Durch soziokulturelle Veränderungen und die zunehmende Anzahl an Single-Haushalten ist zu erwarten, dass die Kreditanfragen von Frauen mittelfristig zunehmen werden.

Die Auswirkungen von Corona auf die Kreditnachfrage 2020

  • Anfangs 2020 ist Corona in der Schweiz noch kein Thema: Die Menschen haben Pläne, weswegen die durchschnittlich angefragte Kreditsumme im Februar um 11,74% gestiegen ist (verglichen mit dem Jahresbeginn).
  • Im Lockdown werden diese Pläne aber erstmal zurückgesteckt: Im März und April sinkt die durchschnittlich angefragte Summe wieder um bis zu 2,81%.
  • Ende April/Anfang Mai gibt es jedoch erste Lockerungen: Die durchschnittlich angefragte Kreditsumme steigt plötzlich wieder um 15% an.
  • Spannend wird es vor allem im Herbst: Ab September sinkt die durchschnittlich angefragte Kreditsumme nicht so wie beim ersten Lockdown, sondern steigt bis Ende Jahr markant an (September 19 %, Oktober 17 %, November 21 %, Dezember 24 %).

So ordnen wir es ein

Der Anstieg der Kreditsumme im Winter 2020 hat wahrscheinlich damit zu tun, dass aufgrund der pandemiebedingten Unsicherheit im Frühjahr und im Sommer viele Investitionen zunächst aufgeschoben und erst kurz vor Weihnachten getätigt wurden.

Ebenfalls begünstigt wurde diese Entwicklung wohl dadurch, dass manche Banken in den Wintermonaten ihre restriktive Politik ein wenig gelockert haben.

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