Experteninterview: Aussichtsplattform Uetliberg

Den Überblick behalten mit…der Kreditspezialistin und dem Hypothekarexperten im Duett

  • 05.02.2021
  • Ben M.
  • Lesedauer: 5 min.

Normalerweise erklimmen wir für unsere Experteninterviews stets den Uetliberg, um uns einen buchstäblichen sowie metaphorischen Überblick zu verschaffen. Das ist momentan leider nicht möglich – aber auch im Remote-Interview warten Kreditspezialistin Angela Lopes und Hypothekarexperte Michael Bader mit zahlreichen Tipps und Tricks fürs 2021 auf.

Wir wollten von unseren Privatkredit- und Hypothekarberatern wissen, welche Fragen die Kunden von FinanceScout24 im letzten Jahr am meisten umtrieben – und ohne grosse Überraschung waren auch hier die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auswirkungen Thema Nummer 1. Aus diesem Grund haben wir unsere Kreditspezialistin Angela Lopes und unseren Hypothekarexperten Michael Bader zum Online-Interview eingeladen und sie gefragt: Wie ist das denn eigentlich mit Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Co.?

Angi und Michael, aufgrund der anhaltenden Pandemie-Situation fragen sich viele Kredit- und Hypothekarkunden momentan gleichermassen: Was passiert, wenn sich meine Einkommenssituation plötzlich ändert? Deswegen beginnen wir mit Szenario Nummer 1: Ich bin in Kurzarbeit – was kann ich nun tun?

Angela Lopes: Falls du deine monatliche Kreditrate aufgrund einer veränderten Einkommenssituation wie Kurzarbeit nicht mehr bezahlen kannst, hast du die Möglichkeit, deinen laufenden Kreditvertrag ‘neu aufzusetzen‘ und dabei eine längere Laufzeit zu wählen. Dadurch reduziert sich logischerweise deine Monatsrate und der Kredit ist wieder stemmbar.

So einfach geht das?

Angela Lopes: Ja, grundsätzlich schon. Aber man muss dabei natürlich gewisse Aspekte im Hinterkopf behalten: Zum einen sind manche Banken bei der Kreditvergabe an Personen in Kurzarbeit eher zurückhaltend oder sehen sogar ganz davon ab – hier lohnt sich deswegen der Kreditvergleich bei FinanceScout24 umso mehr, da wir wissen, wie die jeweiligen Banken das Thema Kurzarbeit handhaben. Ausserdem erhöht man die Chancen auf eine Zusage, indem man beispielsweise weitere Unterlagen zu effektiven Kosten offenlegt: Bei der Krankenkasse rechnen die Banken oft mit Richtwerten, die erfahrungsgemäss höher sind als die tatsächlichen Kosten. Auch den Ehepartner im Kreditantrag mitanzugeben erhöht deine Bonität – auf Wunsch sogar als Solidarschuldner.

Bei Kurzarbeit ist es wichtig, die monatlichen Kreditraten auf ein bezahlbares Niveau zu senken.

Angela Lopes, Kreditspezialistin bei FinanceScout24

Und wo ist der Haken dabei?

Angela Lopes: Eine längere Laufzeit hat zwar eine niedrigere Monatsrate zur Folge, aufgrund der Zinsformel steigen aber die Gesamtkosten des Kredits. Du hast jedoch das Recht, wieder mehr einzuzahlen, sobald deine Kurzarbeit aufgehoben ist. So kannst du dann die zusätzliche Laufzeit ausgleichen.

Aber selbst wenn das nicht der Fall ist und der Kredit in der Endabrechnung etwas teurer wird, sehe ich bei jemandem in Kurzarbeit die Priorität vor allem darin, die Monatsraten auf ein bezahlbares Niveau zu senken, um Mahnungen zu vermeiden. Deswegen empfehle ich, bei Kurzarbeit das ‘kleinere Übel‘ in Form von längeren Laufzeiten und höheren Gesamtkosten in Kauf zu nehmen und dafür mit einer weissen Weste dazustehen. Hier die ideale Laufzeit festzulegen ist jedoch nicht immer ganz einfach, weswegen du uns in einem solchen Fall am besten vorgängig kontaktierst – so können wir dir sämtliche Optionen aufzeigen.

Michael, wie sieht das Ganze denn im Hypothekarbereich aus?

Michael Bader: Nun, ich nehme es gleich vorweg: Hypothekarverträge gewähren da deutlich weniger Spielraum als wir das gerade im Privatkreditbereich gesehen haben. Wenn du also von Kurzarbeit betroffen bist (oder sich dein Einkommen aus anderen Gründen verringert hat, zum Beispiel aufgrund einer Scheidung) und die Hypozinsen nicht mehr bezahlen kannst, lautet meine Empfehlung, mit Hilfe der Familie oder Freunden diese finanzielle Durststrecke zu überstehen – sofern die Kurzarbeit zeitlich begrenzt und somit absehbar ist. Auch eine Solidarbürgschaft kann zur Überbrückung in Betracht gezogen werden. Aber eine Änderung der Wohnsituation ist eigentlich keine Option.

Wieso nicht?

Michael Bader: Weil es dich sozusagen vom Regen in die Traufe bringt: Wohnen musst du ja irgendwo – und die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum sind praktisch immer günstiger als die Kosten für eine Mietwohnung. Sprich wenn du finanziell nicht mehr in der Lage bist, für die Hypothek aufzukommen, hast du als Mieter noch mehr Probleme. Darüber hinaus sind die meisten Eigenheimbesitzer vertraglich an langfristige Festhypotheken gebunden. Im Gegensatz zu Privatkrediten ist hier ein vorzeitiger Ausstieg nur gegen eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung, also eine Art Strafzahlung, möglich. Je nach Hypothekarsumme, Zinssatz und Restlaufzeit kann sich diese auf mehrere Zehntausend Franken belaufen – also definitiv keine Option für jemanden, der eh schon den Gürtel enger schnallen muss. Solange die Zinsen und Amortisationszahlungen pünktlich geleistet werden, muss man jedoch keine Angst haben, dass einem der Hypovertrag gekündigt wird. Sollte es wirklich einmal eng werden, ist es sicher sinnvoll, proaktiv auf das Finanzinstitut zuzugehen, um mit ihm eine Lösung zu suchen. Im schlimmsten Fall muss man die Liegenschaft verkaufen.

Bei verringertem Einkommen ist das Eigenheim mit niedrigen Hypozinsen die weitaus bessere Lösung als ein Mietobjekt.

Michael Bader, Hypothekarexperte bei FinanceScout24

Klingt aber schon ein wenig nach ‘Kostenfalle Hypothek‘.

Michael Bader: Nein, gar nicht: Der ausserplanmässige Ausstieg kann zwar unter Umständen teuer werden, aber der entscheidende Vorteil der Festhypothek ist, dass dieser fixierte Zinssatz selbstverständlich beidseitig gilt. Du kannst dich also darauf verlassen, dass du während der gesamten Laufzeit niemals mehr bezahlen musst. Das sieht bei einer Mietwohnung natürlich anders aus: Die ist erstens in der Regel viel teurer, zweitens können die Mietpreise steigen und schlimmstenfalls meldet der Eigentümer Eigengebrauch an und du musst ausziehen. Und wie schon gesagt: Wohnen musst du ja irgendwo – gerade im Fall von Kurzarbeit ist da das Eigenheim mit niedrigen Hypozinsen die weitaus bessere Lösung als ein Mietobjekt.

Das leuchtet ein. Aber verpassen wir unserem Szenario noch einen etwas düsteren Anstrich: Ich bin nicht von Kurzarbeit, sondern von Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit betroffen. Angi, welche Möglichkeiten habe ich nun als Kreditnehmer?

Angela Lopes: Jetzt stehen wir vor dem Problem, dass die eingangs erwähnte Lösung mit der Neuaufsetzung des Kreditvertrags nicht mehr funktioniert. Das liegt daran, dass bei einem neuen Vertrag stets das aktuelle Einkommen in die Kalkulation einfliesst – und in den meisten Fällen weder Arbeitslosengeld noch Invalidenrente als solches gewertet werden. Hier solltest du dich deswegen frühzeitig beim Kreditinstitut melden und deine Situation offen darlegen, damit eine beidseitig stimmige Lösung erarbeitet werden kann. Frag dabei aber unbedingt nach, ob das einen negativen Bonitätscode zur Folge hat, da Ratenaufschübe teilweise ebenfalls in der Zentralstelle für Kreditinformationen (ZEK) festgehalten werden. Das Schlimmste, was du tun kannst, ist deine Raten einfach nicht mehr zu überweisen – denn das resultiert nicht nur in Mahnungen und negativen Bonitätscodes bei der ZEK, sondern letzten Endes sogar in Betreibungen.

Einen anderen Weg gibt’s nicht?

Angela Lopes: Doch, einen präventiven: Du kannst eine sogenannte Ratenschutzversicherung abschliessen. Dabei handelt es sich um ein eher unbekanntes Versicherungsprodukt, weswegen wir hierzu gerne auch vertieft beraten. Zusammengefasst ist damit in den meisten Fällen unverschuldete Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfähigkeit infolge Unfall oder Krankheit abgedeckt – sprich die Versicherung übernimmt die Kreditraten für einen bestimmten Zeitraum. Das ist in der aktuellen Pandemiesituation natürlich sehr vorteilhaft, aber auch sonst immer eine Überlegung wert.

Und wie kann ich die abschliessen?

Angela Lopes: Du hast die Option, die Ratenschutzversicherung direkt beim Kreditabschluss als Zusatz auszuwählen. Die Prämie dafür beläuft sich meist auf 5 - 6 % und ist dann gleich Teil der Monatsrate. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Versicherungsprämie über die Dauer des Kreditvertrags nicht ändert und auch bereits bezogene Leistungen von der Versicherungsgesellschaft nicht zurückgefordert werden können.

Michael, gibt es etwas Vergleichbares auch für meine Hypothek?

Michael Bader: Nein, hier ist die Lösung grundsätzlich dieselbe wie bei der Kurzarbeit: Mittels Unterstützung durch das persönliche Netzwerk respektive einer Solidarbürgschaft den Status Quo wahren und so den finanziellen Engpass überbrücken. Dadurch kannst du das Haus mit den tiefen Hypozinsen behalten und musst nicht in eine teure Mietwohnung umziehen, was die Lage noch verschlimmern würde.

Als kleiner Ausblick zum Abschluss: Du empfiehlst also auch inskünftig, in ein Eigenheim zu investieren?

Michael Bader: Absolut. Trotz der aktuell wieder etwas anziehenden Zinsen haben wir immer noch ein gutes Zinsniveau mit teilweise sehr attraktiven Angeboten: Eine 10-jährige Festhypothek gibt es schon um die 0.70 Prozent – gute Bonität und Belehnung im Rahmen einer ersten Hypothek vorausgesetzt. Das liegt zum Teil auch daran, dass die Finanzinstitute zu Jahresbeginn noch leere Bücher haben und im Moment sogar Kontingente mit Sonderaktionen anbieten, um ihr Hypothekarbudget in diesen turbulenten Zeiten möglichst frühzeitig in trockene Tücher zu bringen.

Entwicklung Hypothekarzinsen bis Februar 2021

Entwicklung Swapsätze für 10-jährige Festhypotheken und Kurs Bundesobligation '27-jähriger Eidgenosse' (Zum Vergrössern aufs Bild klicken)

Schliessen Entwicklung Hypothekarzinsen bis Februar 2021

Entwicklung Swapsätze für 10-jährige Festhypotheken und Kurs Bundesobligation '27-jähriger Eidgenosse' (Zum Vergrössern aufs Bild klicken)

Dennoch darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir trotz der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken noch immer in einem auf das Weltgeschehen sehr sensibel reagierenden Zinsumfeld leben. Dass die Zinsen jetzt wieder steigen, könnte eine Reaktion auf die ab Mitte Januar sinkenden Kurse der Obligationen sein. Diese gaben auch beim ersten Lockdown im Gegensatz zum gut performenden Aktienmarkt deutlich nach. Fallen die Kurse der Obligationen, steigen im Gegenzug dazu die Zinsen. Das mag ein erster Hinweis dafür sein, dass man langfristige Folgen des Lockdowns durchaus ernst nimmt und mit Kreditausfällen durch Firmenkonkurse rechnet. Deshalb ist es wenig sinnvoll zu warten, sondern ein idealer Moment, um eine Hypothek abzuschliessen.

Angi und Michael, es war wie immer eine Freude, euren Ausführungen zu folgen – besten Dank für eure Zeit.

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