Autoversicherung Wildunfall: Reh im Rückspiegel

Was ist bei einem Wildunfall zu tun?

  • 22.04.2020
  • Sandra B.
  • Lesedauer: 5 min.

Manche Hirscharten erreichen im Sprint Geschwindigkeiten von über 60 km/h und sind damit schneller als der jamaikanische Olympiasieger Usain Bolt. Leicht vorstellbar, dass sie deswegen ziemlich abrupt auf der Strasse auftauchen können – was manchmal leider einen Zusammenstoss mit einem Fahrzeug zur Folge hat.

Wildunfälle sind keine Seltenheit

In der Schweiz ereignen sich jedes Jahr rund 20‘000 Verkehrsunfälle mit Tieren. Das ist zum einen natürlich eine unschön hohe Zahl, da hier jedes Mal ein Lebewesen verletzt oder gar getötet wird – und verdeutlicht andererseits, dass die Gefahr eines solchen Unfalls für uns alle besteht. Besser also, du weisst, was im Notfall zu tun ist; und wie du das Ärgste verhindern kannst.

Das richtige Vorgehen bei einem Wildunfall

Sollte es wirklich zu einer Kollision mit einem Tier gekommen sein, ist es vor allem wichtig, dass du einen kühlen Kopf bewahrst und die Sache nicht noch schlimmer machst.

  • Halte deswegen sofort an einer sicheren Stelle an – wenn du einfach davonfährst, machst du dich der Fahrerflucht und der Tierquälerei schuldig (und das ist nun wirklich keine Option!). Eine weitere Straftat wäre es, ein totes Tier in den Kofferraum zu packen und mitzunehmen: Das würde als Wilderei gelten.
  • Schalte die Warnblinker ein, um nachfolgende Autos zu warnen; je nachdem musst du die Unfallstelle auch mit dem Pannendreieck sichern.
  • Bei einem Wildunfall musst du die Polizei verständigen. Einzige Ausnahme: Wenn du ein Haustier wie zum Beispiel eine Katze angefahren hast und deren Besitzer kennst. Dann kannst du ihn anrufen und ihr besprecht das weitere Vorgehen zusammen. Solltest du allerdings nicht wissen, wem sie gehört (oder der Besitzer nicht zu erreichen sein), so musst du auch hier die Polizei informieren. Sie bietet nämlich im Anschluss den zuständigen Wildhüter oder Jagdaufseher auf. Damit sie das aber möglichst effizient tun kann, musst du ihr präzise berichten, was passiert ist: Welches Tier ist in den Unfall involviert und wie ist sein Zustand? Ist es tot, verletzt auf der Strasse oder bereits aufgesprungen und geflohen?
  • Wichtig ist, dass du dich dem Tier nicht näherst, da es sonst nur unnötig gestresst wird und dich vielleicht sogar angreift. 
  • Des Weiteren ist eine möglichst genaue Ortsangabe unabdingbar: Wenn du dich dort nicht auskennst, beschreib am besten markante Dinge, die du siehst (Sportplatz, Kirche, Bauernhof usw.) – Wildhüter sind meist mit dem Gebiet vertraut und können dich so besser finden.
  • Ausserdem muss die Polizei wissen, ob es verletzte Personen (inklusive dir selbst) gibt und wie beschädigt dein Auto ist: Hier besteht vielleicht Explosionsgefahr, wenn brennbare Flüssigkeiten austreten.
  • Im Anschluss wartest du, bis die Polizei (oder der Wildhüter) eingetroffen ist. Ganz wichtig: Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, die Eltern oder den Partner anzurufen und ihnen alles detailliert zu erzählen – du solltest die Leitung frei halten, falls die Polizei eine telefonische Rückfrage hat und dich erreichen will.

Im Jahr 2014 ereignete sich im Kanton Thurgau ein Autounfall mit einem Wasserbüffel, der aus einem Privatbestand ausgebüxt war.

Versicherungen für Wildunfälle

Neben der moralischen Verpflichtung, einen Wildunfall zu melden, solltest du das auch aus reinem Eigennutz tun. Es ist nämlich so, dass du ein Unfallprotokoll für deine Versicherung brauchst, sofern bei der Kollision auch dein Auto in Mitleidenschaft gezogen wurde (was bei einem Wildunfall ziemlich schnell der Fall ist). Das funktioniert grundsätzlich gleich wie eine ‘normale‘ Unfallmeldung an deine Versicherung, sprich: Du brauchst eine saubere Dokumentation des entstandenen Schadens.

Fotografiere deswegen alles noch an Ort und Stelle mit deiner Handykamera. Lass dir ausserdem unbedingt eine Wildunfallbescheinigung von der Polizei oder dem Jagdaufseher geben. Diese legst du dann als Beweis der Unfallmeldung an deine Versicherung bei. Tust du das nämlich nicht, riskierst du, dass die Versicherung die Zahlung verweigert, da der Schaden ja auch sonst irgendwie hätte entstehen können.

Abgedeckt werden Schäden aus einem Wildunfall durch die Teil- und Vollkasko. Aber hier gibt es ein paar Besonderheiten: Die Teilkasko deckt lediglich die Schäden ab, die aus einer unmittelbaren Kollision entstehen. So muss zum Beispiel das Tier zum Zeitpunkt des Unfalls noch gelebt haben, damit die Teilkasko greift. Wenn es bereits tot auf der Strasse liegt, du unkontrolliert drüberfährst und dein Gefährt einen Blechschaden davonträgt, reicht die Teilkasko nicht mehr. Des Weiteren muss nicht nur das Tier in Bewegung gewesen sein, sondern auch dein Auto: Schäden, die Tiere an deinem geparkten Wagen verursachen, sind meist auch nicht von der Teilkasko abgedeckt.

Ausserdem verlierst du natürlich deine Versicherungsansprüche, wenn du betrunken oder viel zu schnell unterwegs warst und es dann zu einem Wildunfall kommt.

Eine weitere Frage, die sich etwas später stellt, ist die nach einem Ersatzauto. Das mag sich zwar im ersten Moment etwas übertrieben anhören, aber bei einem Wildunfall werden enorme Kräfte freigesetzt:

Wenn ein Auto mit 60 km/h in ein Wildschwein fährt, beträgt das Aufprallgewicht 3,5 Tonnen – das entspricht dem Gewicht eines ausgewachsenen Nashorns.

Du kannst dir sicher vorstellen, dass wir hier schnell von einem erheblichen Schaden reden, der in der Garage behoben werden muss. Aus diesem Grund brauchst du einen Ersatzwagen. Dieser wird aber von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich gehandhabt. Sofern du also auf ein Ersatzfahrzeug angewiesen bist, solltest du dies gleich mit deiner Versicherung ansehen.

Autounfall aufgrund eines Tieres: Dann brauchts die Haftpflichtversicherung

Etwas verzwickt wird es hingegen, wenn du einem Tier auf der Strasse ausgewichen und dabei beispielsweise mit einem anderen Auto zusammengestossen bist. Hier kommt zwar deine Haftpflichtversicherung für die Schäden am fremden Auto und den Personen darin auf – für die Dellen an deinem Wagen reicht die Teilkasko aber nicht mehr.

Das liegt daran, dass die Teilkasko zwar für unmittelbare Wildschäden greift, es sich bei der Kollision letzten Endes jedoch nicht um einen Wildunfall handelt (auch wenn das Tier der Auslöser war). Aus diesem Grund werden solche Schäden nur von der Vollkasko gedeckt.

So minimierst du das Risiko eines Wildunfalls

Vorsicht ist besser als Nachsicht! Wenn du folgende Tipps beherzigst, ist ein Wildunfall leider immer noch möglich, aber du reduzierst zumindest die Wahrscheinlichkeit erheblich:

  • Beachte unbedingt die Warnschilder für Wildwechsel. Diese werden nicht grundlos aufgestellt, denn viele Wildtiere wie Rehe oder Wildschweine sind sehr standorttreu. Das bedeutet, dass sie meist im selben Gebiet umherstreifen und auf Nahrungs- und Partnersuche gehen. Wenn du also ein solches Schild siehst, kannst du davon ausgehen, dass es dort Wildtiere gibt. Deswegen solltest du deine Geschwindigkeit entsprechend reduzieren.
  • Besonders hoch ist das Risiko in Gebieten mit viel Landwirtschaft (zum Beispiel ein grosses Maisfeld) oder in Waldabschnitten, da die Tiere dort nicht zu sehen sind und unvermittelt auf die Strassen laufen können.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass viele Tiere in der Dämmerung aktiv und somit durch die einsetzende Dunkelheit noch schlechter erkennbar sind.
  • Falls du ein Tier schon von weitem auf der Fahrbahn siehst, drossle die Geschwindigkeit und halte wenn nötig ganz an. Vergiss dabei aber nicht, die Warnblinker einzuschalten: Ansonsten riskierst du, dass ein nachfolgendes Auto in dich reinknallt. Anschliessend wechselst du zum Abblendlicht, da grelle Scheinwerfer die Tiere in eine Art Schockstarre versetzen können und sie regungslos stehen bleiben. Und falls das nicht reicht, ist ein kurzes Hupen ein wirksamer Meinungsverstärker, um das Tier zum Verlassen der Fahrbahn zu überreden.
  • Ein Reh kommt selten allein. Wenn dir also ein Exemplar dicht vor der Nase über die Strasse rennt, ist es gut möglich, dass ihm noch weitere folgen.

Ein Wildunfall ist eine Extremerfahrung, die weitreichende Folgen haben kann: Neben der Verletzungsgefahr für dich selbst sind auch die Auswirkungen auf die Psyche nicht zu unterschätzen. Ausserdem endet eine solche Kollision für dein Auto nicht selten in einem Totalschaden. Glücklicherweise kannst du zumindest diesen Aspekt aber kontrollieren und abfedern: Indem du die Versicherungslösungen unserer Partnerfirmen durchsiehst und diejenige abschliesst, die dir das beste Sicherheitsgefühl gibt.

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