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Zwei Personen analysieren Zinsanstieg

Was sind Leitzinsen in der Schweiz?

  • 19.08.2022
  • Ben M.
  • Lesedauer: 3 min.

Dass sich zurzeit viele Gespräche um die Leitzinserhöhung der Nationalbank drehen, hat durchaus seine Berechtigung: Das betrifft uns nämlich alle. Aber da das Ganze ziemlich abstrakt wirkt, sehen wir uns mal anhand einfacher Beispiele an, worum es dabei geht – damit du beim nächsten Feierabendbier kompetent an dieser Diskussion teilnehmen kannst.

Die Inflation: Vom Stimmungsmacher zur Spassbremse

Eine funktionierende Volkswirtschaft ist die Grundlage für den Wohlstand und die damit einhergehende Harmonie in einer Gesellschaft. Ist ja logisch: Solange die Leute einen Job haben und sich neben grundlegenden Dingen wie Essen und einem Dach über dem Kopf auch noch den einen oder anderen Luxusartikel leisten können, herrscht Friede, Freude, Farbenspiel in der Heimat.

Ein Phänomen, das diese Eintracht jedoch empfindlich zu stören vermag, ist die sogenannte Inflation. Das bedeutet, stark vereinfacht gesagt, dass sämtliche Preise (sprich für Lebensmittel, Wohnkosten, Versicherungsprämien usw.) steigen. In einem kleinen Ausmass ist das sogar förderlich für die Volkswirtschaft, aber zu viel davon wird für uns alle ein echtes Problem.

Warum uns diese Inflation ab einem gewissen Punkt echt die Laune verhagelt, erfährst du hier.

Spielleiterin SNB

Es aber gar nicht so weit kommen zu lassen, ist die Aufgabe der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Sie versorgt das Land immer mit genau so viel Geld, dass die Wirtschaft möglichst boomt und Wohlstand für alle schafft. Das tut sie, indem sie gewissermassen als ‘Bank der Banken‘ fungiert – und das funktioniert wie folgt: 

Eine normale Bank (bei der du zum Beispiel dein Lohnkonto hast) verwahrt dein Geld für dich, wenn du es dort einzahlst. Dafür erhältst du üblicherweise einen Zins gutgeschrieben. Das tut deine Bank aber nicht, weil sie sich plötzlich als spendierfreudige Wohltätigkeitsorganisation sieht, sondern sie einen Teil deines Geldes nehmen und an andere Personen oder Firmen als Kredit weitergeben kann – wofür sie dann von diesen ebenfalls einen Zins erhält. Da sie jedoch mehr Zins bekommt, als sie dir für dein Erspartes zahlt, erzielt sie einen Gewinn. So weit, so einfach.

Und nach einem ähnlichen Meccano funktioniert das Ganze zwischen den Banken und der SNB.

So funktionieren die Leitzinsen der SNB

Oftmals reicht die Summe der bei der Bank deponierten Kundenersparnisse nicht aus, um genügend Kredite zu vergeben (wenn zum Beispiel viele Kunden gleichzeitig ihr ganzes Vermögen bei ihr abheben würden). Dann gilt für sie aber noch nicht gleich Notruf Hafenkante, denn nun kann sich die Bank an die SNB wenden und sich bei ihr Geld ausleihen. Dafür bezahlt sie ihr ebenfalls einen Zins – genauso wie bei dir und deinem Ersparten.

Und wenn wir uns an dieser Stelle daran erinnern, dass die SNB stets für die GENAU RICHTIGE Menge Geld im Land sorgen soll, so erkennst du wahrscheinlich schon den Zusammenhang: Will sie, dass mehr Zaster im Umlauf ist, senkt sie einfach den Zins, den sie von den Banken verlangt. So nehmen die Banken höhere Kredite bei ihr auf, da es ja so billig ist, und geben folgerichtig auch höhere Kredite an ihre Kunden weiter – et voilà, schon befindet sich mehr Geld in der Volkswirtschaft. Umgekehrt erhöht sie diesen Zins, wenn die zirkulierende Geldmenge reduziert werden soll.

Aus diesem Grund spricht man hierbei von den ‘Leitzinsen‘: Sie leiten gewissermassen die gesamte Ökonomie eines Landes.

So wirken sich die Leitzinsen auf die Kredite und Hypotheken aus

Schön und gut, aber es bleibt die Frage, ob und wie dich all das in deinem täglichen Leben betrifft. Die Antwort mag überraschen: Praktisch überall und jederzeit, wie wir gleich anhand von zwei Beispielen sehen.

Die erfreuliche Nachricht zuerst: Bei einer Leitzinserhöhung seitens der SNB erhältst du auch mehr Zinsen auf deinem Sparkonto, da diese dann ebenfalls steigen.

Erstes Beispiel sind die Zinsen für Privatkredite und Hypotheken – und bei denen ist das Ganze natürlich recht einleuchtend: Wie wir gesehen haben, zahlt die Bank der SNB einen Zins, wenn sie sich von ihr Geld leiht. Vergibt sie diese Summe anschliessend als Privatkredit (oder Hypothek) an dich weiter, verlangt sie von dir dafür logischerweise einen höheren Zins, als sie der SNB überweisen muss.

Nun braucht es kein Mathe-Genie, um zu wissen, was bei einer Leitzinserhöhung seitens der SNB passiert: Die Bank muss der SNB mehr Zinsen zahlen – und wird deswegen auch mehr Zinsen von dir einfordern, wenn sie dir einen Kredit gibt, damit sie weiterhin einen Gewinn erzielt. Mit anderen Worten wird dein Privatkredit teurer.

Sobald du also etwas davon mitbekommst, dass die SNB die Zinsen anhebt, ist es für dich höchste Lokomotive, dir noch ein günstiges Angebot zu schnappen – denn schon bald verteuern deswegen auch die Banken ihre Kredite und du musst dafür tiefer in die Tasche greifen.

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Und so betrifft dich eine Veränderung der Leitzinsen im Alltag

Wenn du nun denkst, dass dich die ganze Kreditgeschichte ja eh nicht betrifft, liegst du damit leider falsch.

Nehmen wir für unser zweites Beispiel an, du hast einen Stamm-Pub, in dem du dir regelmässig mit Freunden das eingangs erwähnte Feierabendbier gönnst.

Die Besitzerin dieses Pubs hat höchstwahrscheinlich einen Geschäftskredit von einer Bank, um immer wieder Investitionen tätigen zu können: Abgesehen vom Biernachschub, den sie ja logischerweise stetig von einem Produzenten kaufen muss, braucht sie auch regelmässig neue Gläser, Stühle, Tische usw.

Und da die Pubbesitzerin ihrer Bank für den Geschäftskredit ebenfalls einen Zins zahlt, siehst du wahrscheinlich schon, wo das hinführt: Hebt die SNB den Leitzins an, muss ihr die Bank wiederum höhere Zinsen zahlen, wenn sie sich von ihr Geld leiht – und das wälzt sie natürlich auf die Pubbesitzerin ab, für die als Folge davon ebenfalls höhere Zinsen fällig werden.

Wenn nun aber unsere Pubbesitzerin mehr Zinsen blechen muss, schmälert das ihren Gewinn. Das lässt sie verständlicherweise nicht gerade frohlocken, weswegen sie sich für eine naheliegende Lösung entscheidet: Sie gibt den finanziellen Mehraufwand einfach an dich als Gast weiter, indem sie den Bierpreis erhöht und somit wieder ihren ursprünglichen Gewinn erzielt.

Mit anderen Worten zahlst du jetzt mehr für dein Feierabendbier – weil die SNB den Leitzins erhöht hat. Schon spannend, wie das alles zusammenhängt, oder?