Alkohol am Steuer: Mann mit Drinks und Autoschlüssel an der Bar

So reagiert die Autoversicherung nach einem Unfall mit Alkohol

  • 29.07.2020
  • Amelia L.
  • Lesedauer: 4 min.

Ob ein Glas Wein im gediegenen Restaurant oder ein kühles Bier zum Fussball gucken: Diverse Anlässe sind für viele beinahe untrennbar mit dem Genuss eines alkoholischen Getränks verbunden. Sofern sich der Konsum in einem vernünftigen Rahmen hält, spricht freilich auch nichts dagegen – es sei denn, du musst noch fahren.

Alkohol und Autofahren vertragen sich gar nicht

Wer fährt, trinkt nicht – wer trinkt, fährt nicht‘, lautet die simple Devise. Denn bereits ab einem Alkoholpegel von 0,2 Promille (‰) sinken Aufmerksamkeit und Sehschärfe, während gleichzeitig die Reaktionszeit und die Risikobereitschaft steigen. Wer schon mal etwas tief ins Glas geschaut hat, kennt das ja: Man wird schnell übermütig und kann sich nur noch schwer konzentrieren.

An der Silvesterfeier ist das auch nicht so tragisch, aber im Strassenverkehr kann das weitreichende (und äusserst tragische) Folgen haben. Hier musst du nämlich non-stop voll konzentriert sein, um im Fall der Fälle blitzschnell reagieren zu können – was manchmal den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmacht.

Von unvermeidbar bis grobfahrlässig

Da du diese Konzentrationsfähigkeit beim Konsum von Alkohol jedoch verlierst, hast du zu deinem eigenen und zum Schutz der anderen Verkehrsteilnehmer hinter dem Lenkrad nichts mehr verloren. Das sieht auch der Gesetzgeber so: In der Schweiz gilt deswegen ein Blutalkoholgrenzwert von 0,5 ‰ (wobei für Neulenker ein absolutes Fahrverbot unter Alkoholeinfluss gilt).

Mit anderen Worten begehst du eine Straftat, wenn du ein Fahrzeug lenkst, während mehr als die zulässige Menge Alkohol in deinen Blutbahnen zirkuliert. Das hat je nachdem neben den strafrechtlichen Folgen auch Konsequenzen für die Versicherungsleistungen: Wenn du in nüchternem Zustand in einen Unfall verwickelt bist, musst du das der Versicherung melden und sie kümmert sich um den Rest. Ein Malheur kann schliesslich jedem mal passieren, und dafür hat man die Versicherung ja.

Trotzdem wird sich die Versicherung natürlich bei jedem Unfall noch gründlich ansehen, was genau geschehen ist. Nehmen wir zum Beispiel an, dass korrekt und aufmerksam fährst, dir plötzlich ein Reh vors Auto springt und eine Kollision unausweichlich ist. Dann kommt sie wahrscheinlich zum Schluss, dass du da – auch wenn du komplett nüchtern warst – nix machen konntest, und übernimmt (je nach Versicherungspaket) den Schaden resp. einen Teil davon.

Wenn sie hingegen herausfindet, dass du (auch immer noch nüchtern) ein anderes Auto gerammt hast, weil du über eine rote Ampel gefahren bist, sieht die Sache anders aus. Hier sagt sie, dass sie ja wohl davon ausgehen darf, dass du eine rote Ampel rechtzeitig bemerkst und davor hältst, wie das alle anderen auch tun. Im Fachjargon heisst das, du hast ‘grobfahrlässig‘ gehandelt, was nichts anderes bedeutet, als dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre, wenn du ausreichend Aufmerksamkeit an den Tag gelegt hättest.

Das hat zur Folge, dass die Versicherung das Recht hat, bei einem solchen Unfall ihre Leistungen zu kürzen: Sie kann schliesslich nichts dafür, wenn jemand während der Fahrt nur guckt, wo die Vögel fliegen, statt sich auf den Verkehr zu konzentrieren. 

Manche Versicherungen sagen jedoch, dass auch ein solch grobfahrlässiges Verhalten mal vorkommen kann, und bieten deswegen einen sogenannten Grobfahrlässigkeitsschutz an. Diese Zusatzdeckung kostet natürlich extra, verhindert aber, dass die Versicherung die Leistungen kürzt, wenn du durch grobfahrlässiges Verhalten einen Unfall verursachst.

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Von grobfahrlässig bis unentschuldbar

Der Grobfahrlässigkeitsschutz rettet dich also, falls du tatsächlich mal eine rote Ampel übersiehst. Wenn du hingegen betrunken (oder auf Drogen) einen Unfall baust, nutzt dir diese Zusatzdeckung herzlich wenig: Jetzt sagt die Versicherung nämlich, dass du nicht grobfahrlässig gehandelt hast, sondern schlicht fahrunfähig warst. Dann kürzt sie dir entweder die Leistung von vornherein oder bezahlt zwar erstmal, verlangt das Geld aber anschliessend von dir zurück (der Fachausdruck dafür lautet ‘Regress‘). 

Je nachdem kann das gravierende Auswirkungen auf den Rest deines Lebens haben – zum Beispiel dann, wenn bei der Kollision, die du angetrunken verursachst hat, eine andere Person verletzt wurde. Muss diese nun aufgrund der Unfallfolgen jahrelang in Therapie oder ist sogar ganz arbeitsunfähig, wirst du dafür zur Kasse gebeten. Das kann in die Millionen gehen und dich finanziell ruinieren!

Neben den Kosten eines alkoholbedingten Verkehrsunfalls darfst du zwei weitere, genauso wichtige Aspekte nicht vergessen: Zum einen wird die Sache strafrechtliche Konsequenzen haben und wahrscheinlich zu einer Verurteilung führen. Ausserdem bist du möglicherweise schuld daran, dass jemand verletzt wurde. Die damit einhergehende Frage, ob du es nicht hättest verhindern können, wenn du nüchtern gewesen wärst, wird dich wohl den Rest deines Lebens verfolgen.

Weitere wichtige Infos zu Alkohol am Steuer

Wie wir gesehen haben, ist Alkohol am Steuer längst kein Kavaliersdelikt mehr, sondern eine ernstzunehmende Sache, die uns alle etwas angeht – schliesslich kannst du zum Beispiel auch als Velofahrer oder Fussgänger davon betroffen sein. Aus diesem Grund haben wir dir hier noch weitere Information zu dieser Thematik zusammengetragen:

  • Wer in der Schweiz betrunken fährt, dem droht nicht nur eine Busse und der Entzug des Führerscheins, sondern muss sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen. Ähnliches gilt übrigens auch in den USA: Die Hollywood-Stars Kiefer Sutherland (‘24‘) und Lindsay Lohan (‘Freaky Friday‘) sassen beide schon wegen Trunkenheit am Steuer im Knast.
  • Du machst dich nicht nur strafbar, wenn du selbst betrunken fährst: Wenn du wissentlich bei jemandem ins Auto steigst, der alkoholisiert ist, animierst du ihn zum Fahren und bist mitschuldig.
  • Der Körper braucht sehr lange, um Alkohol abzubauen – und es gibt nichts, was diesen Prozess fördert und beschleunigt: Weder Kaffee noch eine kalte Dusche (oder sonstige vermeintliche Tricks) bewirken, dass du den Alkohol schneller loswirst.
  • Beachte deswegen auch den Morgen danach: Wenn du abends ordentlich einen getankt und anschliessend brav das Auto stehen gelassen hast, bist du trotzdem noch nicht aus dem Schneider, da sich immer noch Restalkohol in deinem Blut befinden kann. Ausserdem bist du mit einem fiesen Kater sowieso nicht fahrtauglich.
  • Falls du nach einem Feierabendbier schon mal von der Polizei für einen Alkoholtest angehalten wurdest und 0 Promille hattest, ist das keine Garantie dafür, dass das inskünftig immer so ist: Das ist stets abhängig von der körperlichen Gesamtsituation.
  • Das Velofahren unter Alkoholeinfluss ist genauso verboten und wird geahndet – in schweren Fällen droht auch hier der Fahrausweisentzug.

Letzten Endes kann die ganze Sache auf eine einfache Zusammenfassung heruntergebrochen werden: Wenn du angetrunken fährst, nutzt dir auch die beste Versicherung nichts mehr. Aus diesem Grund kommen wir zurück auf die eingangs erwähnte Devise: ‘Wer fährt, trinkt nicht – wer trinkt, fährt nicht‘. So sind wir alle auf der sicheren Seite und können das Fest genauso unbeschwert geniessen wie die anschliessende Autofahrt nach Hause.