Widerrufsrecht bei Kredit: Mann denkt nach

Deshalb gibt es das Recht, den Kredit zu widerrufen

  • 13.08.2021
  • Ben M.
  • Lesedauer: 3 min.

Durch das sogenannte Widerrufsrecht hast du die Möglichkeit, trotz unterzeichnetem Vertrag auf den Kredit zu verzichten. Warum es das gibt und wie du vorgehen musst, wenn du davon Gebrauch machen willst, erfährst du hier.

Welche Frist gilt für das Widerrufsrecht beim Kredit?

Obwohl du den Kreditantrag vollständig eingereicht, die Bonitätsprüfung bestanden und den Vertrag unterzeichnet retourniert hast, musst du dich trotzdem noch 14 Tage gedulden, da dir das Geld erst dann überwiesen wird.

Keine Sorge, das ist völlig normal und hat nichts mit dir zu tun – dabei handelt es sich um die gesetzlich vorgeschriebene (und für alle geltende) Widerrufsfrist:

Wissenschaftliche Studien belegen nämlich, dass impulsive Kaufentscheidungen verhältnismässig häufiger zu einer Überschuldung führen. Das will der Staat natürlich bestmöglich verhindern. Deswegen ist im Konsumkreditgesetz festgehalten, dass du trotz unterzeichnetem Vertrag noch eine Art Bedenkzeit von 14 Tagen hast, während der du die ganze Sache abblasen kannst.

Widerrufsfristen für Kredite gibt es in den meisten Ländern – und in der Schweiz wurde sie 2016 von 7 auf 14 Tage verlängert.

So kannst du kostenlos den Kredit widerrufen

Du hast also das gesetzliche Recht, innert dieser zwei Wochen gebührenfrei vom Kreditvertrag zurückzutreten. Falls du das tatsächlich in Anspruch nehmen willst, musst du das Kreditinstitut natürlich schnellstmöglich dahingehend informieren. Eine Formvorschrift gibt es hierbei nicht. Das bedeutet, dass jedes Kreditinstitut eine eigene Regelung hat, wie du ihm deinen Gebrauch vom Widerrufsrecht mitteilen musst.

Aus diesem Grund solltest du, sobald dein Entschluss steht, am besten gleich dort (oder bei der Kreditvermittlung) anrufen: So kannst du ihnen den Sachverhalt schildern und fragen, in welcher Form sie den Vertragsausstieg brauchen – manchen reicht es schon per Telefon, andere brauchen dafür etwas Schriftliches. Am besten lässt du dir dies im Anschluss auch gleich bestätigen, damit du ebenfalls auf der sicheren Seite bist.

Die Widerrufsfrist beträgt von Gesetzes wegen 14 Tage – wann diese 14 Tage aber genau beginnen, ist unterschiedlich: Entweder gilt das Vertragsdatum oder das Unterzeichnungsdatum. Die Details dazu stehen in deinem Kreditvertrag, aber das solltest du von Anfang an im Hinterkopf behalten, da es einen direkten Einfluss auf deine Widerrufsfrist hat.

Trotzdem kann es ja sein, dass du aufgrund einer Reihe von Missgeschicken und Zufällen vom Kredit zurücktreten wolltest, die Frist aber verpasst hast. Das ‘Problem’ ist nun natürlich, dass dir das Geld bereits überwiesen wurde und die Geschichte damit nicht einfach verworfen werden kann.

Aber auch hier gilt: Suche sogleich proaktiv das Gespräch mit dem Kreditinstitut. Du hast ja sowieso das Recht, deinen Kredit jederzeit zu saldieren – eine möglichst reibungslose Lösung ist also in beidseitigem Interesse.

Musterbrief für den Kreditwiderruf zum Download

Solltest du dich wirklich mal in der Situation befinden, dass du vom Widerrufsrecht Gebrauch machen und den Kredit doch nicht willst, stellt sich sogleich die Frage: Sofern das schriftlich erfolgen muss – was genau muss ich denn in einer solchen Verzichtserklärung festhalten?

Eigentlich nicht viel, und theoretisch könntest du das auch auf eine Serviette kritzeln und abschicken. Aber da das nicht ganz so stilvoll aussieht, haben wir dir eine Vorlage erstellt: Einfach runterladen, mit den entsprechenden Angaben ergänzen und unterzeichnet (allenfalls per Einschreiben) abschicken – und schon bist du aus dem Schneider.

Vorlage Widerruf Kredit zum Download

Welche Folgen hat es, den Kredit zu widerrufen?

In sogenannten Bonitätsdatenbanken sind diverse Auskünfte über dich und deine Schulden resp. dein Zahlungsverhalten gespeichert. Wenn du dich nun für einen Kredit bewirbst (oder auch für eine Hypothek), prüft das Kreditinstitut mit Hilfe dieser Daten, ob es dir die gewünschte Summe überhaupt geben soll. Steht dort drin nur Erfreuliches über dich, sprich du bezahlst deine Rechnungen stets pünktlich und vollständig, erhöht das deinen sogenannten Credit-Score – und schon hast du ausgezeichnete Karten, das Geld zu erhalten.

Wie du dir aber sicher denken kannst, sind im Umkehrschluss dazu die Aussichten auf Bares natürlich nicht allzu rosig, wenn dort drin scharenweise Negativ-Einträge aufgelistet sind.

Damit kommen wir aber zur guten Nachricht punkto Widerrufsrecht: Machst du davon Gebrauch (also innerhalb der 14-tägigen Frist, bevor das Geld ausbezahlt wird), erhältst du nirgends irgendeine Art von Eintrag. Du musst also nicht befürchten, dass das deine zukünftigen Chancen auf eine Kreditzusage in irgendeiner Weise beeinträchtigt.

Hast du das Geld jedoch bereits erhalten und entscheidest dich dafür, alles zurückzuzahlen und den Kredit wieder zu saldieren, wird dies entsprechend vermerkt. Aber auch das ist kein Grund zur Sorge: Dann steht lediglich, dass du den Kredit frühzeitig vollständig zurückgezahlt hast – was absolut positiv ist, deine Bonität also auch nicht verschlechtert.

Die Widerrufsfrist mag etwas sperrig anmuten, da du länger auf die Auszahlung warten musst. Sie dient aber vor allem deinem Schutz: Durch das Recht, es dir doch noch anders zu überlegen und auf den Kredit zu verzichten, wird das Risiko einer Überschuldung verringert. Und wenn du dir nach diesen 14 Tagen immer noch sicher bist und das Geld erhältst, hast du auch viel mehr Freude daran – schliesslich weisst du dann, dass du eine reiflich durchdachte Entscheidung getroffen hast.

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