Negativzinsen: Frau öffnet Vorhang an Fenster

Warum Eigenheim bei Negativzinsen eine lohnende Investition ist

  • 07.06.2021
  • Laura A.
  • Lesedauer: 4 min.

Für seine Ersparnisse Zinsen bezahlen statt erhalten? Klingt erstmal sonderbar, betrifft aber immer mehr Firmen und Privatpersonen in der Schweiz: Die Negativzinsen sind auf dem Vormarsch. Hier erfährst du, was ihr Sinn und Zweck ist – und weshalb ein Eigenheim eine veritable Anlage-Alternative für deine Ersparnisse sein kann.

Was sind eigentlich Negativzinsen?

Laut Definition sind Negativzinsen eine Geldpolitik-Massnahme, die von der Schweizerischen Nationalbank eingesetzt wird, um den Schweizer Franken möglichst stabil zu halten und damit eine gesunde Volkswirtschaft zu gewährleisten.

Schön und gut, aber bereits das ist ziemlich abstrakt, oder? Deswegen nähern wir uns der Sache mit einfachen Veranschaulichungen, damit das Ganze greifbarer wird. Ausserdem zeigen wir dir weiter unten anhand von Larissa, 41, ein Berechnungsbeispiel: Sie hat die für sie nachteiligen Negativzinsen als Gelegenheit genutzt, um in ein Eigenheim zu investieren – und spart über die nächsten zehn Jahre hinweg mehr als 30’000 Franken. Wie sagt man so schön: Wenn sich eine Tür schliesst, öffnet sich anderswo ein Fenster, nicht wahr?

Aber bevor wir uns das ansehen, musst du einleitend wissen, dass der Schweizer Franken als sehr beständig gilt: Während andere Währungen in Krisenzeiten stark schwanken (und oft an Wert verlieren), ist der Schweizer Franken ein verhältnismässig ziemlich unverwüstlicher Fels in der Brandung.

Das hat fast logischerweise zur Folge, dass ausländische Privatpersonen und Firmen ihr Vermögen vorzugsweise in Schweizer Franken umtauschen, wenn ihre eigene Landeswährung aus irgendwelchen Gründen im Schlamassel steckt und an Wert einbüsst. Ist ja nachvollziehbar: Wer sieht schon gerne tatenlos dabei zu, wie sein Vermögen stetig schrumpft?

Und in der Volkswirtschaft verhält es sich bekanntermassen so, dass der Preis einer Sache steigt, je begehrter sie ist. In diesem Fall wollen immer mehr Leute Schweizer Franken kaufen, weswegen der Wert des Schweizer Frankens stetig zunimmt.

Der Schweizer Franken wird also immer wertvoller. Das klingt doch erstmal toll, oder?

Negativzinsen gegen einen zu starken Schweizer Franken

Leider nein, jedenfalls nicht für alle: Die Schweizer Tourismus-Branche beispielsweise leidet ziemlich darunter. Stell dir einen Tourist aus Deutschland vor, der für 1‘000 Franken in einem Hotel in der Schweiz eine Woche Wanderferien verbringen will. Um das zu bezahlen, muss er seine Euros zum aktuellen Wechselkurs in Schweizer Franken umtauschen. Hat nun aber der Schweizer Franken stark an Wert zugenommen, muss der Tourist aus Deutschland viel mehr Euros einsetzen, damit er 1‘000 Franken erhält.

Das macht er anfangs vielleicht noch mit, aber sobald ihm der Spass zu teuer wird, verzichtet er auf diese Reise und geht woanders wandern. Der Verlierer bei dieser Geschichte ist das Hotel, das einen Gast verloren hat – und das nur aufgrund des starken Schweizer Frankens.

Das ist im Einzelfall noch kein Weltuntergang, aber wenn es reihenweise passiert, schmerzt das eine Branche (und je nachdem somit eine ganze Volkswirtschaft) schon ziemlich empfindlich.

Genau das will die Schweizerische Nationalbank jedoch verhindern und führt deswegen Negativzinsen ein, um den Schweizer Franken wieder abzuschwächen.

So funktionieren Negativzinsen

Das folgt folgendem Meccano: Deine Ersparnisse, die du gerade nicht brauchst, zahlst du bei deiner Bank ein. Und ganz ähnlich überweisen alle Banken Gelder, die sie zurzeit nicht einsetzen, zur Aufbewahrung an die Nationalbank. Will die Nationalbank nun verhindern, dass der Schweizer Franken zu stark an Wert gewinnt, verlangt sie von den Banken einen Negativzins auf diese Beträge – sprich die Banken bezahlen eine Gebühr dafür, das Geld bei der Nationalbank aufbewahren zu dürfen.

Das ist natürlich ärgerlich für die Banken, da sie so höhere Kosten verzeichnen. Und der Plan der Nationalbank ist nun, dass diese Kosten die Banken so sehr schmerzen, dass sie sie wohl oder übel auf ihre Kunden abwälzen müssen. Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass man für das Geld auf der Bank keinen Zins mehr erhält, sondern ihr welchen bezahlt.

Wenn nun also ein Kunde aus dem Ausland ein Konto bei einer Schweizer Bank eröffnen will, muss diese ihm sagen: ‘Können wir gerne tun, aber denk dran: Du musst dafür Negativzinsen bezahlen‘. Das wiederum führt eher dazu, dass der ausländische Kunde lieber davon absieht, sein Vermögen in Schweizer Franken umzutauschen, und es lieber woanders hinbringt – und irgendwann wird der Schweizer Franken weniger begehrt und sein Wert sinkt wieder.

Bis dahin jedoch ist die Folge davon ein allgemein sinkendes Zinsniveau. Das ist natürlich erfreulich für Hypothekar- und Kreditkunden, da sie dann weniger bezahlen müssen. Für Sparer hingegen sind das schlechte Nachrichten: Sie erhalten immer weniger Zinsen auf ihrem Vermögen – bis hin zu verrechneten Negativzinsen, wie wir das zurzeit erleben.

Ein Plan B muss her: Die Investition in ein Eigenheim als sinnvolle Alternative

In einem Tiefzinsumfeld ist es also nahezu unmöglich, mit einer risikolosen Anlage eine halbwegs vernünftige Rendite zu erzielen. Wer Aktien & Co. aufgrund ihrer Schwankungen eher scheut und sein Geld lieber einfach auf dem Sparkonto lässt, hat in den letzten Jahren kaum mehr etwas (oder sogar überhaupt nichts mehr) dafür erhalten. 

Und nun kommt es knüppeldick: Die Negativzinsen werden ausgeweitet und betreffen nun auch viele private Sparer. Nehmen wir mal an, du hast 50’000 Franken auf deinem Sparkonto. ‘Normalerweise’ bedeutet ein Zinssatz von 1 %, dass du am Ende des Jahres 500 Franken Zins gutgeschrieben erhältst. Im Umkehrschluss hat ein Negativzins von 1 % zur Folge, dass dir 500 Franken von deinem Ersparten abgezogen werden – was ja wirklich alles andere als wünschenswert ist. 

Was nun? Einfach zusehen, wie die Ersparnisse von Negativzinsen aufgefressen werden, kann‘s ja auch nicht sein. Aber keine Sorge, die Lösung liegt vielleicht näher, als du denkst: Warum nicht in ein Eigenheim investieren? Nebst dem Vorteil, dass du deine eigenen vier Wände nach deinen Wünschen gestalten kannst, lohnt sich das auch finanziell.

Sehen wir uns das Ganze anhand einer fiktiven Person namens Larissa an: Sie ist 41, alleinstehend und wohnt für 1‘300 Franken monatlich in einer 2,5-Zimmer-Mietwohnung in der Nähe von Bern.

Über die Jahre hinweg hat sie auf ihrem Konto ein Vermögen von 150‘000 Franken angespart, das sie eigentlich nicht anrühren will – aber jetzt sieht sie Handlungsbedarf, da ihre Bank auf Beträge über 100‘000 einen Negativzins von 1 % eingeführt hat.

Sie bezahlt nun also jährlich (ohne komplizierte Zinsformel) 1 % auf 150‘000 Franken, ergo 1’500 Franken. Zusammen mit der monatlichen Miete von 1‘300 Franken ergibt das jährliche Kosten von 17‘100 Franken.

Da überlegt sich Larissa Folgendes: Wie sieht diese Rechnung aus, wenn sie von ihren 150‘000 Franken Erspartes 100‘000 als Eigenmittel in den Kauf einer gleichwertigen 2,5-Zimmer-Eigentumswohnung im Wert von 500‘000 Franken investiert?

Eigenheim vs. Negativzinsen: Berechnungsbeispiel

Zum einen fallen die 1’500 Franken Negativzins weg, da ihr Vermögen auf dem Sparkonto nur noch 50‘000 beträgt (und damit unter dem Grenzwert von 100‘000 liegt). Dieses Problem wäre also bereits erledigt.

Bei einem Kaufpreis von 500‘000 Franken und investierten Eigenmitteln von 100‘000 ergibt sich eine Hypothek von 400‘000 Franken, aufgeteilt in 1. Hypothek von 325‘000 Franken und 2. Hypothek von 75‘000 Franken. Wenn wir nun davon ausgehen, dass Larissa eine 10-jährige Festhypothek zu 1 % abschliessen konnte, resultiert das in folgender Kostenaufstellung (auch hier wieder vereinfacht dargestellt):

Hypothekarzins von 1 % auf 400‘000 = 4‘000 Franken

Amortisation der 2. Hypothek (75‘000) innert 15 Jahren = 5‘000

Nebenkosten von 1 % des Kaufpreises (500‘000) = 5‘000

Gesamte jährliche Kosten Eigentumswohnung = 14‘000 Franken

Zum Vergleich: Gesamte jährliche Kosten Mietwohnung + Negativzinsen = 17‘100 Franken

Verglichen mit den jährlichen Gesamtkosten von 17‘100 Franken, die sie mit einer Mietwohnung und Negativzinsen tragen muss, spart sie also 3‘100 Franken jedes Jahr! 

Und auf die gesamte 10-jährige Laufzeit der Festhypothek hochgerechnet wird es sogar noch deutlicher: Larissa vermeidet nicht nur 15‘000 Franken Negativzinsen, sondern erzielt eine Gesamtersparnis von beachtlichen 31‘000 Franken!

Wie schon eingangs erwähnt: Wenn sich eine Tür schliesst, öffnet sich anderswo ein Fenster. Vielleicht ist die aktuelle Situation also eine optimale Gelegenheit, aus der Negativzins-Not eine Eigenheim-Tugend zu machen – und in den eigenen vier Wänden Geld zu sparen ist doch wahrlich kein unangenehmer Gedanke, oder? ;-)

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