Libor Saron - FinanceScout24

Was es mit dem Wechsel von Libor zu Saron auf sich hat

  • 14.01.2020
  • Laura A.
  • Lesedauer: 4 min.

Der Libor wird abgeschafft und durch den Saron ersetzt. In diesem Artikel stelle ich dir die beiden kurz vor und erkläre dir die Gründe für diesen Wechsel. Ausserdem sehen wir uns zusammen an, was das konkret für dich und deine Hypothek bedeutet.

Libor festlegen? Leicht gemacht…

Vorhang auf für die tägliche Libor-Sitzung in London. Mehrere Vertreter von grossen Banken sitzen an einem runden Tisch und besprechen das heutige Zinsniveau. Lang gefackelt wird da nicht:

«Welchen Zinssatz müsste ich dir bezahlen, damit du mir für ein halbes Jahr Geld leihst?»

«Öhm, tja, mal sehen…sagen wir 1 %?»

«Ok, ich würde es dir für 0,8 % geben.»

«Das ergibt einen Durchschnitt von 0,9 % – wunderbar, somit ist der Referenzzinssatz für heute festgelegt. Die Sitzung ist geschlossen.»

Klar, das ist eine stark vereinfachte Darstellung, aber im Grunde genommen wird der Libor genau so ermittelt. Einige Grossbanken (die sogenannten Panel Banks) geben jeden Tag um 11:00 Uhr an, zu welchem Zinssatz sie einer anderen Bank einen Kredit am Londoner Geldmarkt geben würden.

Aus diesem Grund heisst dieser Referenzzinssatz auch Libor (Abkürzung für 'London InterBank Offered Rate'). Wenn alle 18 Panel-Banken ihre Zinssätze präsentiert haben, werden die vier höchsten sowie die vier niedrigsten gestrichen und von den zehn verbliebenen der Durchschnitt errechnet – et voilà, schon steht der Libor.

Du siehst, so kompliziert ist das nicht. Die Sache hat aber leider einen Haken: Dabei kann auch geschummelt werden.

…Libor manipulieren leider ebenfalls

Wenn du dich jetzt fragst, was das mit dir als Privatperson zu tun hat: Sobald du einen Kredit oder eine Hypothek aufnehmen möchtest oder bereits hast, recht viel. Unter anderem richten sich nämlich auch deine Zinsen nach der Höhe des Libor.

Am direktesten betroffen bist du natürlich, wenn du eine Libor-Hypothek (auch 'Geldmarkthypothek' genannt) hast. Ihr Zinssatz passt sich regelmässig dem Libor an – wenn die Banken höhere Zinsen festlegen, steigen auch deine Hypothekenzinsen, und bei sinkenden Zinsen gilt natürlich das Gleiche.

Jetzt ahnst du wahrscheinlich auch schon, worauf ich hinaus will: Die Banken haben ein Interesse daran, den Libor möglichst hoch zu halten, da sie so mehr Geld von dir kriegen. In der Vergangenheit haben sich einige Banken deshalb illegalerweise abgesprochen.

Das ist vom Prinzip her eigentlich ganz leicht, wie du an folgendem (vereinfachtem) Beispiel siehst: Bank A gibt pünktlich um 11:00 Uhr 1 % als Zinssatz an, während Bank B gleichzeitig 0,9 % veröffentlicht. Der Schnitt ist also 0,95 % und wir nehmen der Einfachheit halber einfach mal an, dass genau das dann deiner Libor Hypothek entspricht.

Du zahlst deiner Bank jetzt also 0,95 % Zinsen. Offenbar zu wenig, denn jetzt ruft Bank B insgeheim bei der Bank A an und sagt: «Hör mal...Gib du morgen statt 1 % einfach 1,1 % an – und ich gehe von 0,9 auf 1 % hoch. Das ergibt einen Schnitt von 1,05 % statt 0,95 und wir verdienen beide mehr an unseren Libor Hypotheken.» Gesagt, getan, und schon zahlst du 0,1 % mehr Zinsen.

Das mag sich im ersten Moment vielleicht nicht nach viel anhören, aber wenn du dir vorstellst, dass das für alle Hypotheken gilt, geht es plötzlich um eine ordentliche Stange Geld.

Lügen haben jedoch bekanntermassen kurze Beine, und so flog die Manipulation im Jahr 2012 auf und wurde von den Behörden hart bestraft: Die beteiligten Banken mussten teilweise Bussgelder von über einer Milliarde Euro blechen.

Und damit sich diese Geschichte nicht wiederholt, wurde beschlossen, den Libor per Ende 2021 abzuschaffen und durch eine zuverlässigere Alternative zu ersetzen.

Edeljoker Saron wird eingewechselt

In der Schweiz wurde der Saron als Libor-Nachfolger bestimmt. Saron ist die Abkürzung für 'Swiss Average Rate OverNight'. Dabei handelt es sich um einen Wert, der auf der Basis von tatsächlichen Transaktionen der Banken beruht (wir erinnern uns: Beim Libor konnten die Banken einfach irgendetwas behaupten, wenn sie gefragt wurden, zu welchem Zinssatz sie Geld ausleihen würden).

Das ist beim Saron nicht mehr möglich, weswegen die jeweiligen Expertinnen und Experten  zum Schluss kamen, dass er ein geeigneter Ersatz für den ausrangierten Libor ist.

Und was bedeutet das für meine Hypothek?

Wenn du deine Immobilie bislang mit einer Libor Hypothek finanziert hast, stellt sich für dich natürlich automatisch die Frage, was damit passiert, wenn der Libor seine Reise ins Finanz-Walhalla antritt.

«Noch sind nicht alle Details zum Saron abschliessend definiert», erklärt Fabio Meier, Hypothekarberater bei FinanceScout24, «aber wenn wir die Zinsentwicklungen von Saron und Libor vergleichen, so stellen wir fest, dass sich diese kaum voneinander unterscheiden. Wer also auch in Zukunft auf eine Geldmarkthypothek setzen will, wird weiterhin die Möglichkeit dazu haben – mit dem kleinen Unterschied, dass sie dann Saron statt Libor heisst…und dem bedeutenden Unterschied, dass sie vor Manipulationen geschützt ist.»

Du siehst, der Wechsel von Libor zu Saron ist kein Grund zur Beunruhigung. Solltest du trotzdem noch Fragen haben, kannst du dir im Hypothekenrechner mal ansehen, wie die Alternativen dazu aussehen. Du kannst uns auch einfach per Mail oder telefonisch kontaktieren, damit wir gemeinsam die optimale Lösung für dich finden.

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