Experteninterview: Aussichtsplattform Uetliberg

Den Überblick behalten mit…dem Hypothekarexperten: Was es mit dem Wechsel vom Libor zum Saron auf sich hat

  • 13.10.2020
  • Laura A.
  • Lesedauer: 5 min.

Geldmarkthypothek? Libor? Saron? Klingt kompliziert! Deswegen brauchen wir hier einen Überblick. Und bekanntermassen eignet sich dafür nichts besser als ein Spaziergang auf den Uetliberg mit unserem Hypothekarexperten Michael Bader, der uns dabei sämtliche Fragen zu diesem Thema beantwortet.

Hi Michael! Vielen Dank, dass du dir wieder mal die Zeit nimmst, unseren Finanz-Horizont zu erweitern – bei der ganzen Libor-Saron-Thematik brauchen wir wirklich deine Unterstützung.

Immer gerne, ich freue mich über jede Einladung. Und ja, das ist tatsächlich keine einfache Materie. Trotzdem ist das Ganze für Immobilienbesitzer (und solche, die es werden wollen) ungemein wichtig, da sich grundlegende Dinge ändern werden.

Gut, dann würde ich sagen, wir gehen schön der Reihe nach und fangen mal bei den Basics an: Was ist eigentlich der Libor?

Der Libor (kurz für ‘London Interbank Offered Rate‘) dient als Referenzzinssatz für kurzfristige Kredite am Geldmarkt und ist damit Grundlage für viele Finanzprodukte. Dabei handelt es sich um einen Durchschnittszinssatz der zwölf wichtigsten international tätigen Banken der British Bankers‘ Association, der täglich um 11:00 Uhr Londoner Zeit festgelegt wird. Eine Änderung des Libor hat meist auch eine Anpassung bei den Zinssätzen von Sparkonten oder Krediten zur Folge, die dann mitziehen.  

Aber das ist schon bald Geschichte?

Ja, der Libor wird am 31.12.2021 von der internationalen Bühne abtreten. Der Grund ist der, dass er aufgrund seines Berechnungs-Meccanos zu stark beeinflussbar ist, was dann auch zu Manipulationen geführt hat. Und damit sich so etwas nicht wiederholen kann, wird der Libor in der Schweiz durch den Saron ersetzt.

Was kann der Saron denn besser?

Der fundamentale Unterschied und der entscheidende Grund für die Einführung des Saron wird klar, wenn wir betrachten, wie die Zinssätze berechnet werden. Dazu muss ich ein wenig ausholen: Beim Libor wird zwischen dem Kunden und der Bank ein Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum (1, 3, 6 oder 12 Monate) im Voraus abgemacht. Bei einem 3-Monats-Libor beispielsweise werden dann nach Ablauf der Zinsperiode die Zinssätze für die nächste Periode neu verhandelt und immer wieder im 3-Monats-Rhythmus angepasst, solange der Kredit-Rahmenvertrag (häufig 3 oder 5 Jahre) läuft. Der Libor ist demnach ein klassischer Refinanzierungssatz, bei dem das Risiko auf der Seite desjenigen liegt, der den Kredit refinanzieren muss.

Der Saron wird aus bereits abgeschlossenen Transaktionen und gehandelten Preisen ermittelt, wodurch er den Finanzmärkten einen besicherten Geldmarktzins zur Verfügung stellt.

Michael Bader, Hypothekarexperte bei FinanceScout24

Also bei der Bank?

Richtig. Gleichzeitig öffnet aber genau dieses Vorgehen zur Berechnung der vorschüssigen Verzinsung die Tore zur Spekulation und Manipulation der Zinskonditionen. Das darf natürlich nicht sein. Aus diesem Grund sollen künftige Geldmarkt-Finanzierungsmodelle so gestaltet werden, dass es keinerlei Möglichkeiten zur Beeinflussung gibt. Da kommt der Saron ins Spiel.

Und wie bewerkstelligt der Saron das?

Im Gegensatz zum Libor wird der Saron nicht aus zukünftigen, sondern nachschüssig, sprich aus bereits abgeschlossenen Transaktionen und gehandelten Preisen neu ermittelt und für die vereinbarte Zinsperiode nachträglich aufgezinst. Damit stellt er den Finanzmärkten einen besicherten Geldmarktzins zur Verfügung und gilt nur jeweils für einen Tag.

Was meinst du mit ‘nachträglich aufgezinst‘? Woher weiss ich dann, welchen Zinssatz ich bezahlen muss?

Tja, das ist die Krux bei der Sache: Das weisst du erst am Zahlungstermin der Zinsen. Während man bei der Libor-Hypothek den Zinssatz zu Beginn der Zinszahlungs- bzw. Refinanzierungsperiode festlegt – also vorschüssig, da man ja grundsätzlich nicht weiss, wie sich das Zinsniveau entwickelt –, wird der Zins für die Saron-Hypothek erst nach deren Ablauf definiert. Das bedeutet, er basiert auf dem tatsächlichen, in dieser Zeitspanne erreichten Zinsniveau und nicht auf einer Prognose zu Beginn. Aber da sich die Zinssätze täglich ändern, trägt natürlich der Kreditnehmer das Risiko der Zinsschwankungen.

Insbesondere bei der Eigenheimfinanzierung hat die Libor-Hypothek in den letzten Jahren an Bedeutung verloren.

Also die Chance auf niedrigere Zinsen, verbunden mit dem Risiko, dass sie steigen – wie beliebt ist die Libor-Hypothek denn eigentlich?

Im Hypothekengeschäft wurden in der Vergangenheit bis zu ein Fünftel der Hypotheken mit Libor finanziert. Seit 2015 sind die Zinsen für Festhypotheken jedoch kontinuierlich gesunken, sodass mittel- und längerfristig finanzierte Hypotheken zeitweise zu günstigeren Konditionen erhältlich waren als Libor-Hypotheken. Heute ist die zehnjährige Festhypothek mit einem Marktanteil von 40 bis 50 % unangefochten die Nummer 1 unter den Hypothekarprodukten – Tendenz steigend, wie wir aus eigenen Erhebungen wissen. Sie gilt ausserdem bei Herrn und Frau Schweizer als Standard, um die Konditionen der unterschiedlichen Anbieter miteinander zu vergleichen. Deshalb hat der Libor in den letzten Jahren insbesondere bei der Finanzierung von selbstbewohntem Wohneigentum an Bedeutung verloren.

Weiterführende Informationen zur Festhypothek gibt's hier.

Angenommen, ich interessiere mich trotzdem dafür: Kann ich denn überhaupt noch eine Libor-Hypothek abschliessen, wenn dieser Wechsel zum Saron ansteht?

Neue Libor-Verträge werden kaum noch ausgestellt – und wenn, dann natürlich nur bis Ende 2021. Die meisten Kreditinstitute bieten jedoch bereits heute Saron-Hypotheken mit verschiedenen Rahmenlaufzeiten an. Die Konditionen entsprechen in etwa denjenigen der Libor-Hypotheken, sprich im Moment wird in der Regel nur die jeweilige Saron-Marge der Finanzinstitute berechnet. Falls du dich also dafür interessierst, bist du bei uns an der richtigen Adresse: Durch Verhandlungen mit unseren Partnern können wir zurzeit Saron-Hypotheken mit Rahmenlaufzeiten von 1 bis 10 Jahren und einer Marge ab 0.55 % anbieten.

Und was muss ich sonst noch darüber wissen?

Wie wir das von den Libor-Hypotheken kennen, ist es auch bei der Saron-Hypothek meist möglich, während der Rahmenlaufzeit in eine Festhypothek zu wechseln. Immobilienbesitzer können sich durch diese Option sicherer fühlen, da sie bei stark steigenden Zinsen flexibel bleiben und ihre Hypothek in ein anderes Modell umwandeln können. Aber wie alle Medaillen hat auch diese eine Kehrseite: Wenn man während der Rahmenlaufzeit das Hypothekarmodell ändert, kann man den Anbieter nicht wechseln. Es ist daher nicht damit zu rechnen, dass die Kreditgeber in einer solchen Situation beim Zins bis ans Limit gehen und Top-Konditionen offerieren.

Abschliessend gefragt: Kommt dieser Wechsel von Libor zu Saron gut?

Es ist sicher so, dass dieser Wechsel im Vorfeld für eine gewisse Unruhe sorgt, weil die finanziellen Folgen für die Banken, Hausbesitzer und Schweizer Unternehmen noch nicht wirklich einschätzbar sind. Das liegt zum einen daran, dass sich die Berechnungsgrundlagen für die Zinsen radikal ändern. Ausserdem lohnt sich eine Saron-Hypothek bei einer abflachenden Zinskurve – wie wir das in den vergangenen Jahren hatten – nur dann, wenn man eine kurzfristige Finanzierung benötigt, grössere Tranchen rasch amortisieren oder ein Haus bauen möchte. Trotzdem wird es auch zukünftig eine Nachfrage nach Saron-Hypotheken geben, da sie bei stark fallenden Zinsen eine attraktive Alternative zu Festhypotheken sein können. Dabei ist es aber wichtig, dass die Kundinnen und Kunden einen verlässlichen und unabhängigen Partner an ihrer Seite haben, der ihre individuellen Finanzierungsbedürfnisse genau kennt und sie transparent zu den verschiedenen Möglichkeiten, Chancen und Risiken berät. Aus diesem Grund empfehle ich, uns auf jeden Fall zu kontaktieren, falls die Saron-Hypothek ein Thema werden sollte – dann können wir uns gemeinsam alle Facetten davon ansehen.

Kann ich nur bestätigen – Michael, es war wie immer eine Freude, deinen Ausführungen zu folgen, besten Dank dafür!

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