Hypothekarexperte Michael Bader im Interview

Interview: So schätzt der Experte die Entwicklungen am Hypothekarmarkt ein

  • 02.04.2020
  • Laura A.
  • Lesedauer: 4 min.

Das Coronavirus bestimmt zurzeit praktisch alle Aspekte unseres Lebens. Das geht auch am Hypothekarmarkt nicht spurlos vorbei: Die Zinsen befinden sich auf einer regelrechten Achterbahnfahrt. Wir haben Michael Bader, Hypothekarexperte bei FinanceScout24, gefragt, wie es dazu kommen konnte – und wie seine Prognose für die weitere Entwicklung lautet.

Michael, wie ist das Leben als Hypothekarberater im Moment so?

In einem Wort: turbulent. Aber das gilt in diesen Zeiten wohl für alle Berufe. Nichtsdestotrotz halten die momentanen Entwicklungen auch uns ganz schön auf Trab.

Was ist passiert?

Als der Bundesrat die Situation in der Schweiz als ‘ausserordentliche Lage‘ einstufte, waren zehnjährige Festhypotheken – je nach Objektart, Anbieter und Situation – noch für rund 0.50 % pro Jahr erhältlich. Dann sind die Swapsätze* innert weniger Tage in die Höhe geschnellt. Dieser sprunghafte Anstieg hatte zur Folge, dass die Hypothekarzinsen nachzogen und praktisch über Nacht im Schnitt ein halbes Prozent höher lagen. Das hat natürlich einige ziemlich überrumpelt.

*Swapsätze sind Referenzzinssätze für den Geldaustausch zwischen den Banken. Als ein Art Stimmungsbarometer bilden sie die Marktverfassung ab und sind ein wichtiger Indikator, um Risiken und Entwicklungen bei der Kreditvergabe einzuschätzen. Sie reagieren sehr sensibel auf das politische und wirtschaftliche Tagesgeschehen, denn Banken nutzen häufig Swapgeschäfte dazu, um Hypotheken zu refinanzieren und Zinsrisiken abzusichern.

Inwiefern?

Nun, wenn wir uns den Zinsverlauf des vergangenen Jahres vergegenwärtigen, sanken die Hypothekarzinsen bis Mitte August auf ein historisches Allzeittief. Zum ersten Mal waren zehnjährige Festhypotheken bei Top-Vermittlern wie FinanceScout24 schon auf breiter Front ab 0.60 % pro Jahr erhältlich.

Aber danach stiegen die Zinsen doch wieder an?

Richtig. Die Schweizerische Nationalbank hat im letzten September aufgrund positiver Prognosen für die Konjunkturentwicklung entschieden, die Leitzinsen nicht weiter zu senken. Infolgedessen reagierten die Zinsen und stiegen bis Ende Jahr wieder auf ein etwas höheres Niveau an: Zehnjährige Festhypotheken waren – auch hier wieder abhängig von Objekt, Anbieter und Situation – Ende Dezember zwischen 0.95 % und 1.15 % erhältlich. Das hielt auch bis ins neue Jahr an – aber dann kam das Coronavirus.

Wie hat sich das ausgewirkt?

Börsen und Geldmärkte reagieren ziemlich empfindlich auf Krisen – erst recht, wenn es sich dabei um eine globale Pandemie handelt. Als sich Covid-19 immer weiter ausbreitete, begann ein deutlicher Zerfall der Hypothekarzinsen bis auf die eingangs erwähnten 0.50 %. Viele waren aber der Ansicht, dass damit das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist: Sogar anfangs März waren noch Berichte zu lesen, nach denen der Sinkflug der schon historisch niedrigen Zinsen nun ungebremst weitergehen würde und Hausbesitzer oder Immobilienkäuferinnen sich auf immer tiefere Zinsen einstellen könnten.

Viele sahen die extrem tiefen Hypothekarzinsen schon als selbstverständlich an.

Michael Bader, Hypothekarexperte bei FinanceScout24

Bekanntermassen kam es aber anders: Die Zinsen schossen rasant nach oben. Siehst du hier eine allgemeine Trendwende?

Es bleibt turbulent und wenig vorhersehbar, wohin sich das Ganze entwickeln wird. Ich gehe aber davon aus, dass wir nicht so bald wieder mit diesen extrem tiefen Hypothekarzinsen rechnen können, die viele zum Teil schon als selbstverständlich ansahen.

Wieso nicht?

Dafür sprechen mehrere Gründe: Zum einen haben die Zentralbanken Mitte März entschieden, die Leitzinsen nicht weiter zu senken. Der zweite Punkt sind die finanziellen Hilfspakete, die geschnürt wurden respektive noch kommen werden. Mehrere Regierungen sehen sich gezwungen, dafür Geld aufzunehmen – und zwar eine Menge. Ausserdem herrscht regelrechte Ausverkaufsstimmung an den Finanzmärkten. Die durch die Krise auf dem Ölmarkt hoch verschuldeten amerikanischen Ölfirmen, die Gefahr einer weltweiten Rezession und das erhöhte Kreditausfallrisiko durch drohende Unternehmenskonkurse haben enormen Einfluss auf den Kurswert der Obligationen. Sehen wir uns nur mal die eigentlich sehr stabilen Schweizer Bundesobligationen an: Sogar diese haben erheblich an Wert eingebüsst. Aber wenn die Kurswerte der Obligationen fallen, steigen im Gegenzug dazu die Zinsen. Zusammengefasst: Alle drei Faktoren haben extreme Turbulenzen in der Welt der Hypothekarzinsen ausgelöst.

Bedeutet das, dass die Nachfrage nach Hypotheken rückläufig sein wird?

Nein. Dieser Zinstsunami ist noch nicht zu Ende, weswegen die Nachfrage nach Hypotheken ungebrochen hoch bleiben wird. Aber ich gehe davon aus, dass trotz zwischenzeitlicher kleinerer Schwankungen mittelfristig mit einem etwas höheren Zinsniveau zu rechnen ist – insbesondere solange die Covid-19-Situation und die damit verbundenen Folgen für die Wirtschaft noch nicht absehbar sind. Dies spüren auch die Kunden und wollen deshalb noch möglichst gute Konditionen ergattern. Aber dabei dürfen wir nicht vergessen, dass wir bis heute noch immer günstigere Hypothekarzinsen anbieten können als noch vor zwölf Monaten oder in den Jahren zuvor.  

Was rätst du deinen Kunden im Moment?

Unabhängig davon, ob Sie eine neue Immobilie kaufen oder eine bestehende Hypothek ablösen: Informieren Sie sich genau und vergleichen Sie die Angebote. Gerade in solchen Zeiten ist es aber wichtig, professionelle Beratung zu konsultieren und den Einzelfall zu analysieren. Zögern Sie deshalb nicht, uns zu kontaktieren, so dass wir uns Ihre Situation gemeinsam ansehen können – und so im richtigen Moment den passenden Anbieter und die optimale Finanzierung für Sie finden.

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